Orientalisch Tanzen
Orientalisch Tanzen. Was heisst das? Unter orientalischem Tanz versteht
man heute eine Vielzahl unterschiedlicher Tänze. Oft wird die Frage
gestellt, ob es denn das selbe wie Bauchtanz
sei. Nein, ist es nicht; auch wenn der Begriff Bauchtanz oft als Synonym
für den Orientalischen Tanz gebraucht wird. Bauchtanz unterliegt meist
(zu) engen und genauen Vorstellungen, die vom orientalischen Tanz gesprengt
werden und ist als Begriff eigentlich falsch (siehe Menu Bauchtanz)
Orientalischer Tanz umfasst den klassischen orientalischen Bühnentanz der auf Arabisch Raqs Sharqi genannt wird und sich noch am ehesten mit dem deckt, was im Volksmund Bauchtanz oder Bellydance auf englisch genannt wird. Wenn auch das Niveau und der Kunstaspekt eigentlich höher sein sollte.
Daneben gehören die verschiedenen Folklorestile aus den Ländern des mittleren Ostens und Nordafrikas zum orientalischen Tanz, genauso wie heute eine Vielzahl von Fantasy-Formen wie zum Beispiel Pharaonischer Tanz, Schleier-Tanz (oder Doppelschleier, Trippelschleier oder sogar sieben Schleier), Flügelschleier auch Isis Flügel oder Isis Wings genannt, der Tanz mit dem Säbel (oft Schwerttanz genannt) oder auch mit Kerzen in den Händen (usrprünglich persicher Herkunft)
Zu den Ländern die mit ihren Folklore- und Bühnentänzen zur Vielfalt des orientalischen Tanzes beitragen gehören:
Ägypten
mit den Stilen: Saidi, oft mit Stock getanzt und dann auch Stocktanz oder
Raqs bi'l asaya genannt, Beduin, Fellahi (manchmal auch mit Krug getanzt)
Eskandria (also der Stil aus Alexandria) , Melaya, Manbooti auch Mambooti
oder Fischertanz genannt, Nubisch aus der dem Sudan angrenzenden Region,
Shamadan also mit einem Kerzenständer, der auf Deutsch meist Leuchter
genannt wird, auf dem Kopf und manchmal auch noch mit Zimbeln in den Händen,
Ghawazy, die ägyptischen Zigeunerinnen mit ihrem eigenen Tanzstil und
der Baladi (Balady) vor allem aus Kairo.
Nicht wirklich zu den Folkloretänzen aber doch klar nach Ägypten
gehören natürlich auch die Tänze aus den alten Filmen mit
so berühmten Tänzerinnen wie Samia Gamal, Tahia Karioka oder Suhair
Zaki oder die heutige Elite mit Fifi Abdou, Dina und Soraya um nur ein paar
zu nennen und nicht zu vergessen die Tänzerinnen in den Nachtclubs,
die gut oder schlecht tanzen, viel oder keinen Spass am Tanzen haben und
mehr oder weniger Stoff am Leibe tragen. In Begleitung eines Mannes sind
sie immer wieder eine Nacht wert und es lässt sich auch dort vieles
lernen.
Dann gibt es auch noch die religiösen Tänze wie Tanura (Drehtanz
der Sufis oder auch als Showtanz) und Zarzeremonien (Geisterbesänftigung
und Heilungstänze).
Algerien, Tunesien, Marokko mit ihren ganz eigen Stilen und Bewegungsrepertoires und religiösen Tanzzeremonien wie zum Beispiel dem Gnaoua.
Libanon: Dabke und einen sehr schönen weichen klassischen Stil (raqs sharqi lubnani)
Golfstaaten: Khaligy was so viel wie golfig' also aus den
Golfstaaten (dem Khaleeg) stammend heisst.
Saudiarabien mit dem Saudi genannten Tanz, der oft auch seinen Platz
in den klassischen Tanzroutinen einer Tänzerin findet.
Iran mit den persichen Tänzen, die feiner, zierlicher und mehr auf Posen und asymmetrische Bewegungen ausgerichtet sind und in diesem Sinne den indischen Tänzen ein Stückchen näher liegen.
Zum Teil werden auch die sogenannten Tänze der Seidenstrasse' zu den orientalischen Tänzen gezählt, die Tänze aus den Ländern Aserbeidschan, Kasachstan, Turkmenistan... umfassen. Für mich ist das eine andere Tanz- Familie, in der ich mich zu wenig gut auskenne, um hier an dieser Stelle darüber Auskunft zu geben. Genauso wie die indischen Tänze eine eigene Familie darstellen und nicht (bzw. nur sehr bewusst) mit den orientalischen Tänzen vermischt oder verwechselt werden sollten.
© Romea Spörri, Zürich, Februar 2007
